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2006
Martinimahl 2006
Geschrieben von Hans-Jörg Wirz   

Bericht der Redaktionskommission

APERO IM KLEINEN SAAL DES HOTELS GLOCKENHOF182_8277.JPG

Wer gegen Ende des Apéros den kleinen Saal betritt, sieht sich einer grossen Schar dunkel gekleideter Herren gegenüber, den Zünftern mit ihren Gästen. Gruppen haben sich gebildet, in denen diskutiert und angestossen wird, einzelne ziehen umher und begrüssen die bereits Anwesenden. Dann kommt das Kommando des Stubenmeisters, die gemütliche Runde beginnt sich aufzulösen und geht durch den Glockenhof Richtung Saal, dem man nicht ansieht, dass noch Tage zuvor darin geturnt wurde, eine grossartige Leistung des Zeugwarts Oskar Müller mit seinen Helfern.

IM ZUNFT-SAAL DES HOTEL GLOCKENHOF

Vor dem Zunftsaal trifft man sich wieder, wen man beim Apéro noch nicht gesehen hat, wird nun begrüsst, die Anwesenheit wird mit Unterschrift in einem Buch festgehalten, die Zunftgesellen begrüsst, auf dem Plan nachgesehen, bei welcher Tischnummer der eigene Name eingetragen ist und wo sich der Tisch im Saal befindet. Langsam füllt sich der Saal, erste Gespräche am Tisch, ein erstes Mal anstossen und dann beginnt die Zunftmusik mit dem Sechseläutenmarsch. Alle stehen auf, die Vorsteherschaft und die Ehrengäste treten ein und formieren sich hinter dem Vorstehertisch. Ein erster Applaus für unsere Zunftmusik, den Musikverein Harmonie Schwamendingen, Tenues werden gerichtet, die Plätze eingenommen, die Harmonie spielt ein weiteres Stück und dann sind alle bereit für die offizielle Begrüssung der Gäste durch unseren ZM Carlo Hächler und dessen Martini-Rede.

DIE ZUNFTMEISTERREDE

Thema: Selffulfilling Prophecy = sich selbst erfüllende Vorhersage. Wir kennen die Zukunft nicht. Doch wie sollen wir zukünftige Ereignisse vorhersehen, um entsprechend reagieren zu können? Er hält fest, dass die Beurteilungen über unsere Zukunft unterschiedlich sind. Wie aber soll der Einzelne wissen, ob er sich für etwas engagieren soll? 183_8336.jpgKann ich als Einzelner etwas bewirken? Zögern und zuwarten nützt nichts, meint der ZM. Nur wer aktiv ist und das Beste gibt, dem wird das Schicksal wohlgesinnt sein. Das gilt nicht nur für die Armee, auf der seine einleitenden Gedanken basieren, sondern auch für den einzelnen Bürger in seinem Einsatz für Politik, Vereine oder z.B. für eine Zunft.

Mit dem Zitat von Georg Christoph Lichtensteig, einem deutschen Aphoristiker und Physiker aus dem 18. Jh: «Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders wird, wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden», geht er dann tiefer auf den Begriff der Selffulfilling Prophecy ein.

Wettervorhersagen als Beispiel schliesst er beim heutigen Thema aus, da wir das Wetter doch nicht beeinflussen können. Viel eher gehören die Börsenvorhersagen dazu, denn je mehr Leute daran glauben und sich entsprechend verhalten, desto eher wird sich ein Kurs in die prognostizierte Richtung entwickeln. Dann geht er weiter zu den gesamthaft 5 Arten von Selffulfilling Prophecy.

Wenn Minderheitsmeinungen nicht mehr geäussert werden, wird die Mehrheitsmeinung immer dominanter, die Minderheitsmeinung zieht sich zurück, ist nicht mehr aktiv und verschwindet schliesslich ganz. Wenn Erwartungen immer mehr enttäuscht werden, werden keine innovativen Gedanken und Lösungsvorschläge mehr eingebracht (als Beispiel erwähnt er die Haltung einer Mehrheit der Zünfter gegenüber der Fraumünstergesellschaft). Es entsteht eine Negativ-Spirale – wenn kühne neue Ideen nicht mehr ausgesprochen werden, bzw. werden können, bleibt alles beim Alten. Entwicklungen werden verunmöglicht. Neuem, Ungewohntem und Wagemutigem muss aber Raum gegeben werden.

Wenn eine Organisation überzeugt ist, dass neue Entwicklungen sie nicht bedrohen, so bestimmt das auch deren Haltung. Er überträgt das auf eine Zunft, die glaubt, das Zunftwesen werde als antiquiert betrachtet. Diese Zunft wird sich Neuem gegenüber verschliessen und sich entsprechend defensiv verhalten, sich nicht entwickeln und dadurch von der Oeffentlichkeit wie von jener erwartet, zunehmend als veraltet und überholt abgetan. Ganz im Gegensatz dazu eine Zunft, die an die Zukunft glaubt, d.h. für eine zukunftsgerichtete Entwicklung einsteht. Ihr Verhalten führt dazu, dass sie in der Oeffentlichkeit auch als dynamisch und fortschrittlich wahrgenommen wird, nimmt sie doch Neues auf und entwickelt dieses. Zudem bringen neue Leute neue Ideen, interessante Projekte und Anlässe, bei denen dabei zu sein, attraktiv ist.

Er schliesst mit unserem Wahlspruch, der das positive und zukunftsorientierte Denken unserer Gründer beweist.

Dem Applaus schliesst sich eine weitere Aufführung unserer Zunftmusik an.

In einer kurzen Rede stellt der Statthalter Hanspeter Hauser die beiden Neuzünfter vor, die nach Beschluss des vergangenen Hauptbotts in unsere Zunft aufgenommen 182_8293.JPGwerden sollen.

Der ZM übergibt den beiden den Säbel und heisst sie willkommen als Zünfter. Weiter erhalten Sie das Abzeichen und die Satzungen unserer Zunft. Nach Vorspiel durch die Zunftmusik singen alle gemeinsam die erste Strophe der Nationalhymne, der ZM gratuliert den beiden neu Aufgenommenen und dankt auch dem Hauptbott für den positiven Entscheid.

Der ZM dankt den beiden für das Geschenk und bietet ihnen den Ehrentrunk an. Dann führt der Herold die beiden an ihre Tische und unter Begleitung durch die Zunftmusik beginnt die Anstoss-Runde.

Es folgen die Verabschiedung der Musik durch den ZM und nach grossem Applaus ein letzter musikalischer Leckerbissen.

Dann dankt der ZM Küchenchef, Direktor, Stellvertreter und deren Mitarbeitern für den grossen und ausgezeichneten Einsatz, dankt und verabschiedet den Direktor J. Peter Schmidtpeter, lädt ihn ans nächste Sechseläuten ein und begrüsst unter grossem Applaus seinen Nachfolger, Matthias Sutter.

Zurück an seinen Platz stellt der ZM sein Rednerpult in die richtige Höhe und lässt damit erahnen, dass die Reihe nun an den Ehrengästen ist.

Unser ZM dankt für die unterhaltenden Worte und Geschenke, bietet den Ehrentrunk an und übergibt die Bhaltis.

Dann übernimmt der Stubenmeister. Dieser kündigt ein zweiteiliges Rahmenprogramm an: eine Basler Schnitzelbank, dann einen Zauberer. Er dankt dem Spender, unserem Mitzünfter Bernhard Frauchiger, für die beiden Darbietungen.

RAHMENPROGRAMM + AUSKLANG 

Es marschieren die drei Mitglieder der Basler Clique «Hooseglunggi» ein und beginnen gleich mit dem Einüben des Refrains. In ihrem ersten Spruch erklären Sie, das heutige Thema sei «Kleider machen Leute». Sie karikieren Themen wie: den FCB, Martina Hingis, einen Zeitungs-Artikel über unsere Zunft und den gestohlenen Böögg. Es folgen ein Spruch über den Kommandanten der Schweizergarde, den Trainer des FCB, einige Zünfter und die Bundesräte. Sie schliessen mit «Zem Schluss meecht ych no ebis brichte / Das sin alles woohri Gschichte / Es hett is gfrait mir saage Dangg / Dr Hooseglunggi-Schnitzelbangg.» 183_8377.jpg

Dann betritt der angekündigte Zauberer die Bühne. Er unterhält glänzend und bringt auch einige Zünfter ins Schwitzen, vor allem Röbi Müller, dessen z.V. gestellte 100er-Note zunehmend an Wert verliert.

Nach dem Abschluss des Martinimahls durch den ZM, Carlo Hächler, geht es über zum letzten gemütlichen Teil, dem Mitternachtsimbiss mit Bockwurst, Hausbrot und Bier vom Fass. Damit können nun auch die von der Reitergruppe gespendeten Cigarren endlich ungestört genossen werden.

Dann geht es ans Verabschieden. Taxis werden gerufen und heim geht's – die Gedanken sicher noch beim erneut geselligen und unterhaltenden Martinimahl.